Freiwillige Feuerwehr Ludwigsfeld e.V.


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History




Ludwigsfeld - Fasanerie Nord -
Siedlung Ludwigsfeld
Ludwigsfeld ist nicht nur der Namensgeber für unsere Abteilung und der Standort unseres Gerätehauses, sondern auch der älteste Stadtteil in unserem Ausrückebereich. Gegründet wurde die damalige Kolonie Ludwigsfeld im Jahr 1802. Rund 100 Jahre später folgte die Ansiedelung von Bürgern in der Fasanerie-Nord, bis nach dem 2. Weltkrieg mit der Erbauung der Siedlung Ludwigsfeld das letzte große Wohnviertel in unserem Ausrückebereich entstand. In den folgenden Abschnitten wird die Geschichte dieser drei Stadtviertel unter besonderer Berücksichtigung des Feuerwehrwesens skizziert.

Bis 1870: Besiedelung von Moorgebieten
Im Norden und Westen Münchens endet die Münchner Schotterebene. Die auf dem Weg von den Alpen unterirdisch ablaufenden Schmelz- und Regenwässer treten an diesem geomorphologischen Übergang zu Tage. Deshalb wurden die dort ursprünglich bestehenden Moorgebiete, welche zum Dachauer und Erdinger Moos zu zählen sind, erst spät besiedelt. Vor ihrer Landbarmachung wurden die Ländereien aufgrund ihrer Nähe zu den Schlössern in Nymphenburg, Schleißheim und Dachau durch den bayerischen Adel als Fasanerien genutzt. So wurde unter anderem eine Fasanerie 1596 nördlich von Moosach angelegt (oberer Fasanengarten), auf welche sich bis heute der Name Fasanerie-Nord bezieht. Kurfürst Maximilian IV. Joseph - der spätere bayerische König Maximilian I. Joseph - trieb die Kultivierung von Moorgebieten voran, so auch an der Landstraße von München nach Dachau und Augsburg nördlich von Moosach. Das alte Ludwigsfeld befindet sich an der früheren Dachauer Straße - heute Auf den Schrederwiesen bzw. Rothwiesenstraße. Zusammen mit den Kolonien Augustenfeld und Karlsfeld wurde die Kolonie Ludwigsfeld im Jahr 1802 gegründet. Die Namensgebung bezieht sich auf Maximilian Josephs ältesten Sohn Ludwig, dem späteren König Ludwig dem I.

1871-1932: Von der Gründung der Feuerwehr bis zur Zwischenkriegszeit
In folgendem Dokument aus dem Jahr 1899, welches unter dem "Allerhöchsten Protektorate Seiner Königlichen Hoheit des Prinz-Regenten Luitpold von Bayern" die Mitgliedschaft im bayerischen Landes-Feuerwehr-Verband bestätigt, wird als in der Grundliste aufgeführtes Gründungsdatum der 24. Oktober 1871 genannt. Der Patenverein der Freiwilligen Feuerwehr Ludwigsfeld ist die Freiwillige Feuerwehr Feldmoching.


Abbildung 1: Dokument aus dem Jahr 1899 mit Nennung des Gründungsdatums der
Freiwilligen Feuerwehr Ludwigsfeld






Als Gründungsmitglieder Andere Quellen
werden genannt: nennen zusätzlich:

Blum, Benedikt Ökonom
Niemervoll, Johann Ökonom
Blum, Jakob Bürgermeister
Vogel, Andreas Ökonom
Grünwald, Joseph Ökonom
Sprenger, Johann Ökonom
Weiß, Joseph Ökonom

Zur Gründungszeit bestand die Ausrüstung aus einer Anstellleiter mit Stützstangen und einer zweirädrigen Saug- und Druckspritze. Am 18. Mai 1882 wurde die Freiwillige Feuerwehr Ludwigsfeld während der 18. Bezirksfeuerwehrversammlung München in Nymphenburg in den Bezirksfeuerwehrverband aufgenommen. Wieder wird die Freiwillige Feuerwehr Ludwigsfeld im Protokoll des 20. Bezirksfeuerwehrtages vom 18. Mai 1884 in Allach erwähnt: Damals veranstalteten die Feuerwehren von Allach, Pasing, Obermenzing. Untermenzing, Moosach und Ludwigsfeld eine Übung und wurden anschließend vom königlichen Regierungsrat inspiziert und gelobt. Ab 1890 ergab sich eine für den ersten Teil des 20. Jahrhunderts prägende Veränderung in Ludwigsfeld: Oberst Max von Lutz begann mit dem Aufkauf von Anwesen und der Errichtung des Guts und Gestüts Ludwigsfeld.



Zum Feuerwehrwesen ist wiederum kurioses vom 29. Bezirksfeuerwehrtag festgehalten: Im Protokoll wird eine Debatte über die Frage erwähnt, ob bei Bränden der Inhalt von Odelgruben als Löschwasser benützt werden kann. Administratorisch bildete die Feuerwehr Ludwigsfeld ab dem
1. Februar 1907 mit den Feuerwehren von Feldmoching, sowie Ober- und Unterschleißheim den XII. Inspektionsbezirk. Im Jahr 1931 wurde von der damals noch eigenständigen Gemeinde Ludwigsfeld für 9000 RM (3600 RM Zuschuss des Innenministeriums) eine Magirus Zweirad Motorspritze angeschafft.


Abbildung 2: Photoaufnahmen der Löschgruppen
(oben um 1900, unten nicht bekannt, cirka 1915)



Ebenfalls zum heutigen Einsatzgebiet zählt das Wohnviertel Fasanerie-Nord. Diese Kolonie entstand im Wechsel vom 19. zum 20. Jahrhundert nordwestlich des Bahnpostens 2 der Bahnverbindung München Landshut. 1897 siedelte sich die erste Gärtnerei an. Bis 1912 zählte die "Fasanerie-Moosach" - welche sich aber auf dem Gebiet der Gemeinde Feldmoching befand - bereits 43 Häuser. Nach längerem Namensstreit zwischen Moosach und Feldmoching erhielt die Kolonie mit Wirkung zum 1. Januar 1921 den Namen Fasanerie-Nord. 1931 gründeten die Bewohner sogar eine eigene Freiwillige Feuerwehr, deren Gerätehaus 1937 in der Lindenstraße eingeweiht wurde (heute Schneeglöckchenstraße - auf Höhe der Hollerstraße). Erwähnung findet die Freiwillige Feuerwehr Fasanerie zuletzt 1938 im Eingemeindungsvertrag der Gemeinde Feldmoching im §26 zum Feuerwehrwesen: "Den Feuerschutz im künftigen Stadtteil Feldmoching übernimmt grundsätzlich die Berufsfeuerwehr München. Die Abteilung Feldmoching der freiwilligen Feuerwehr Feldmoching wird als Halblöschzug in die freiwillige Feuerwehr München eingereiht. Eine baldige Ersetzung der vorhandenen Kraftspritze durch eine Kraftfahrspritze wird vorgesehen. Die Abteilung[en] Fasanerie-Nord und Lerchenau der freiwilligen Feuerwehr Feldmoching bleiben als Trupps des Halblöschzugs Feldmoching solange bestehen, bis die Ausrüstung dieses Halblöschzugs mit einer Kraftfahrspritze durchgeführt ist. Von diesem Zeitpunkt ab werden die Trupps unter Übernahme der Kraftfahrspritze Fasanerie-Nord an den Halblöschzug Feldmoching als zweites Gerät ebenfalls in den Halblöschzug Feldmoching überführt." Von 1939 bis 1942 wurden Teile der Kolonie Fasanerie-Nord für den von der Reichsbahn geplanten Verschiebebahnhof München-Nord abgerissen.



1933 - 1945: Dunkle Jahre - Die Feuerwehr im Dritten Reich
Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 ergaben sich auch in den Feuerwehren innerhalb des Deutschen Reichs nach und nach einschneidende Veränderungen. In den Folgejahren erließen die Nationalsozialisten zahlreiche Verordnungen, welche die politische Gleichschaltung aller Vereine und Organisationen in Deutschland zum Ziel hatten. Am 2. Juli 1933 feierte die Freiwillige Feuerwehr Ludwigsfeld ihr 50jähriges Gründungsfest. Dieses Datum geht aus einem Fahnenband hervor, welches von der Fahnenmutter Magdalena Sprenger und einem unserer Patenvereine, der Freiwilligen Feuerwehr Feldmoching gestiftet wurde.



Trotz des hartnäckigen Widerstandes der damals wohlhabenden Gemeinde wurde Ludwigsfeld 1938 nach langen Verhandlungen zusammen mit Solln, Großhadern, Pasing, Obermenzing, Untermenzing und Feldmoching in die Stadt München eingemeindet. Am 23. November des gleichen Jahres bildete das Reichsgesetz über das Feuerwehrwesen den Schlussstein für die seit 1933 von den Nationalsozialisten durchgeführte Einbindung des deutschen Feuerlöschwesens in die Polizei. Dies bedeutete, dass den Ländern die Kompetenz für das Feuerwehrwesen entzogen wurde und die Feuerwehr als ein dem Polizeiwesen unterge-ordnetes staatliches Organ fungierte. Dies ist auch der Grund, warum Feuerwehrfahrzeuge ab 1937 nur noch in tannengrüner Lackierung ausgeliefert wurden. Durch die Kompetenzübertragung auf den Staat sollte in Erwartung feindlicher Luftangriffe eine reichsweit einheitliche und effektive Schadensabwehr durch die so genannte Feuerschutzpolizei sichergestellt werden. Während des Krieges war der Münchner Nordwesten aufgrund der dort zahlreich angesiedelten Industriebetriebe dann auch Ziel zahlreicher Bombenangriffe. Die verbliebenen, nicht eingezogenen Kameraden hatten mit der Brandbekämpfung nach bzw. zwischen den Luftangriffen eine stets lebensgefährliche Aufgabe zu bewältigen.

Aber nicht nur die Leiden der Bevölkerung durch Luftangriffe zeigten sich während des Krieges in unserem heutigen Ausrückebereich. Östlich der Dachauer Straße bestand von 1943 bis 1945 das Außenlager Allach 1 des Konzentrationslagers Dachau. "Als die Amerikaner eintrafen, lebten von etwa 22.000 Inhaftierten noch 8.970 Männer und 1.027 Frauen. 300 Menschen hausten in einer Baracke - Zwangsarbeiter für die Bayerischen Motoren-Werke BMW, deren Fabrikhallen vis-à-vis standen, über die Dachauer Straße rüber."

1945 - heute
Im Jahr 1947 begann unter den alten aktiven Kameraden und ihrem Löschgruppenführer Kaspar Bieringer die Neuformierung der Löschgruppe Ludwigsfeld. Nachdem jüngere Kameraden der Feuerwehr beitraten, zählte die Feuerwehr Ludwigsfeld 1949 bereits wieder 19 aktive Mitglieder. Als in diesem Jahr die Löschgruppenleitung an Kurt Pröwig überging, musste bei Ausrüstung, Gerät und Uniform noch improvisiert werden. Die Kameraden wurden noch mit der Trompete alarmiert und die vorhandene Anhängerspritze musste mit einem privaten Lkw
(Opel Blitz von Kurt Pröwig) zur Brandstelle gefahren werden - die Kameraden selbst nützten zum Ausrücken ihre eigenen Motorräder.



Im ehemaligen Außenlager des KZs wurden nach dem 2. Weltkrieg nach langen Querelen für die verbliebene Lagerbevölkerung und für hinzugekommene Flüchtlinge die Rückführungsbemühungen aufgegeben und eine Ansiedelung und Integration angestrebt. So wurde bis ins Jahr 1952/53 von den Amerikanern die Siedlung Ludwigsfeld für die sogenannten displaced persons aus Mitteln des Marshall-Plans - teils aus Bombenschutt - erbaut.

1956 beförderte die FF München Kurt Pröwig zum Hauptbrandmeister und er übernahm die Zuständigkeit für die Löschgruppen Ludwigsfeld, Allach, Obermenzing und Feldmoching. In der Führung der Löschgruppe Ludwigsfeld folgte Edmund Strobel sen. In seine Zeit als Löschgruppenführer fiel die Übernahme des Katastrophenschutzes durch die Feuerwehr und die Zuteilung von bundeseigenen Fahrzeugen. Die zeitweise bis zu vier Fahrzeuge der Abteilung wurden in einer Garage in der Granatstraße abgestellt, da die alte Spritzenhalle nur für ein Fahrzeug Platz bot.

Die BMW übereignete im Jahr 1959 ihr Werk II des Triebwerksbaus an die MAN Nutzfahrzeuge AG, welche wiederum den südlichen Werksbereich an die Motoren- und Turbinen-Union-München GmbH (MTU) übertrug. Aufgrund der Nähe zu diesen beiden Unternehmen entwickelte sich die Siedlung Ludwigsfeld zu einem klassischen Arbeiterwohngebiet. Mit der dort steigenden Einwohnerzahl wuchs auch die Verantwortung für die Feuerwehr.



Im Jahr 1971 ging die Abteilungsführung an unser heutiges Ehrenmitglied Eugen Pröwig über. Als in den 70er Jahren ein Neubauprogramm von 10 neuen Gerätehäusern für die Freiwillige Feuerwehr München initiiert wurde, begannen 1978 auch die Planungen für ein neues Gerätehaus in Ludwigsfeld. Die Bauarbeiten waren 1982 abgeschlossen. Um der Einweihung des Gerätehauses einen würdigen Rahmen zu verleihen, verschoben die Kameraden das 100jährige Gründungsfest der Freiwilligen Feuerwehr Ludwigsfeld um ein Jahr. Am 15. und 16. Mai 1982 fanden die Festlichkeiten mit Schauübung, buntem Abend, Vereinsempfang, Gottesdienst und Tag der offenen Tür statt.

Durch rege Bautätigkeit wandelte sich die Fasanerie-Nord nach dem zweiten Weltkrieg nach und nach bis heute von einem Gärtnereienviertel zu einem städtischen Wohngebiet. Bis zum Jahr 2000 stieg die dortige Einwohnerzahl auf rund 4000. Demgegenüber umgeben die alte Kolonie Ludwigsfeld Flächen, welche die Stadtverwaltung als Teile des Münchner Grüngürtels vorsieht und deshalb nur sehr begrenzt neue Flächen bebaut werden dürfen. Die Stadt München verfolgt hierbei das Ziel, "die Flächen am Stadtrand (…) vor weiterer Bebauung" zu schützen "und ein gleichberechtigtes Nebeneinander von Landwirtschaft, Erholung und Naturschutz zu ermöglichen."



Für die Freiwillige Feuerwehr Ludwigsfeld ergibt sich damit die Situation, dass sich das Gerätehaus im wenig bebauten alten Ortskern von Ludwigsfeld befindet, die meisten Einwohner im Ausrückebereich aber in der Fasanerie-Nord und in der Siedlung Ludwigsfeld wohnen. Die Abteilung ist daher trotz zahlreicher Gegenmaßnahmen vielen Einwohnern des Einsatzgebietes leider unbekannt. Außerdem ist das Bevölkerungswachstum wegen des Münchner Grüngürtels in seinem Volumen begrenzt. Aus diesen beiden Punkten ergibt sich für die Freiwillige Feuerwehr Ludwigsfeld ein gewisses Nachwuchsproblem.

Die Annahme ist aber trügerisch, dass aufgrund der weitreichenden Freiflächen die Herausforderungen für die Freiwillige Feuerwehr München in der Abteilung Ludwigsfeld - sagen wir einmal - überschaubar sind. Denn schon ein kurzer Blick in die Abteilungsstatistik zeigt, dass die Einsatzzahlen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen haben. Dies liegt vor allem an zwei neuen "Erscheinungen" im Ausrückebereich, welche die Abteilung auf Trab halten: dem Rangierbahnhof München Nord und vor allem den Autobahnteilstücken der A99, der A8 und der A92. Die Deutsche Bahn erbaute den Rangierbahnhof München Nord in den Jahren von 1987 bis 1991. Auf dem Areal des Rangierbahnhofs wurden 120 Kilometer Gleise und über 350 Weichen verbaut. Mit seinem elektronischem Stellwerk, dem größten in Europa, und einem rechnergesteuerten Betriebsführungssystem ist der 1991 in Betrieb genommene Rangierbahnhof im Bereich der Güterbahnwagenkopplung weltweit ein Referenzobjekt. Ein Fünftel der Baukosten wurden für Umweltschutz und Landschaftspflege ausgegeben, um einen Ausgleich für den gewaltigen städtebaulichen Einschnitt zu schaffen.

Im Dezember 1992 wurde der Anschluss des Autobahnrings München A99 an die Dachauer Straße eröffnet. Die Anschlüsse des Autobahnringes nach Lochhausen sowie zur A8 Richtung Stuttgart (Eschenrieder Spange) folgten im September 1998. Erst vor gut einem Jahr gaben am
19. Februar 2006 Politik und Prominenz die bislang letzte Weiterführung zur A96 München-Lindau für den Verkehr frei. Nach und nach ergibt sich somit eine stufenweise erhöhte Fahrbelastung mit folglich wachsender Unfallgefahr. Die Freiwillige Feuerwehr Ludwigsfeld deckt über die Zufahrten an der Dachauer Straße über 20 Autobahnkilometer ab.

Und trotz zahlreicher Einsätze auf den Autobahnen und am Rangierbahnhof kann bzw. muss konstatiert werden: noch liefen fast alle Einsätze - gemessen am Gefahrenpotential - glimpflich ab. Den heutigen Ausrückebereich zeigt die folgende Darstellung. Nicht dargestellt sind die weitläufigen Bereiche auf den Autobahnen A99 (Autobahnring), A8 Richtung Stuttgart und A92 Richtung Deggendorf.













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